Stage of Desire
Videoprogramm

17. Dezember 2009

Zusammengestellt von Petra Reichensperger, Stefan Panhans und Eske Schlüters

Anlässlich der Veröffentlichung der Monographie “Stefan Panhans – 5 Videos” im Verlag Merz & Solitude präsentiert das Künstlerhaus Stuttgart in Zusammenarbeit mit der Merzakademie das Videoprogramm “Stage of Desire”. In sieben Videos rufen zehn KünstlerInnen das Begehren als dialektisches Gegenüber des Erkennens auf und fragen nach der Vermittlung von Emotionen. Die Verschränkung von Realität und Fiktion ist gemeinsames Thema der eingeladenen Künstler, ebenso wie die Selbstbefragung des Mediums Film.

“Stefan Panhans - 5 Videos”, herausgegeben von Kathrin Busch, mit Texten von Eva Birkenstock und Ulrike Gerhardt, Kathrin Busch, Hans-Christian Dany und Hans-Jürgen Hafner, Stuttgart: Merz & Solitude 2009, 128 Seiten, mit DVD.

Filmprogramm

Guy Ben-Ner: Second Nature (2008), 10 min

Keren Cytter: Der Spiegel (2007), 4:30 min
In “Der Spiegel” wird der Zuschauer mit dem nackten Körper einer zweiundvierzig-
jährigen Protagonistin konfrontiert, die sich selbst als Sechzehnjährige sieht, die der Mann, den sie will, nicht umhin können wird zu lieben. Ihr Spiegelbild zerstört diese Selbstwahrnehmung. Ein Chor – der für die Stimme der Menge steht – kommentiert die Liebeserklärungen der Protagonistin: “Subtitles: and young bodies are better than an old woman.” Keren Cytter lässt die theatralisch inszenierte, verdichtete Situation in einem fast leeren Raum stattfinden. Als Requisiten dienen Spiegel und die Kamera selbst. Die Blicke und Kommentare der Anderen treten als gesellschaftliche Instanzen auf.

Stefan Panhans: If a store clerk gave me too much change (2009), 15 min
In “If a store clerk gave me too much change” richtet die Kamera den Blick auf eine Raumcollage mit diversen Requisiten, in deren Mitte sich ein bizarr verkleideter Protagonist befindet. Stefan Panhans’ Figur spricht Zitate aus Ratgebern für Leben und Karriere, unterstützt von zwei Schauspielerinnen. Die Slogans überhöhen die grenzenlose Bereitschaft des flexiblen neoliberalen Arbeiters zum enthusiastischen life-long learning. Außerhalb der Vorstellungskraft zirkulieren die Worthülsen als leere Zeichen verlorener Repräsentanz.

Ming Wong: Angst Essen (2008), 27 min
Ming Wongs Filmtitel zitiert eines von Rainer Werner Fassbinders bekanntesten Werken, “Angst essen Seele auf” mit Brigitte Mira. Das Sozialdrama portraitiert Deutschland in den 1970er Jahren und fokussiert dabei auf eine Reihe verdrängter Probleme wie Fremdenfeindlichkeit, fehlende Gerechtigkeit, Probleme zwischen alten und jungen Menschen und die Entfremdung im Arbeitsalltag, die bis heute aktuell sind. Ming Wong drehte den gesamten Film Szene für Szene nach, wobei er selber alle Rollen spielte. Gleichermaßen respektlos wie als Hommage durchlebt er den Film im Selbstversuch. Was clownesk wirken könnte, gibt dem Film eine starke Künstlichkeit, etwa wenn die Feindseligkeit und die Vorurteile zwischen den verschiedenen Protagonisten des Films durch die selber Person dargestellt werden.

Ho Tzu-Nyen: The Bohemian Rhapsody Project (2006), 5:52 min
Ho Tzu-Nyen inszenierte für sein Video ein Casting für einen fiktiven Film, der auf dem Text des Liedes “Bohemian Rhapsody” (1975) von Queen basieren sollte. Die 22 zur Endauswahl eingeladenen professionellen und nichtprofessionellen Schauspielerinnen treten im ehemaligen Gerichtssaal eines Rathauses auf und werden dabei von einem Publikum aus weiteren SchauspielerInnen und einem Filmteam beobachtet. “The Bohemian Rhapsody Project” zeigt ausschließlich dieses Vorsprechen, zusammengeschnitten auf die Originallänge des Liedes “Bohemian Rhapsody”. Zwischen gesprochenem Text und gelegentlichen musikalischen Einschüben wechselnd, spielt das Video mit den Erinnerungen des Zuschauers an den Discopopklassiker.

Eske Schlüters: After the Rehearsal (2008), 7:30 min
Der Film zeigt die Schauspielerin Delphine Seyrig in Probenmitschnitten, die dem Making-of von Chantal Akermans “Jeanne Dielman, 23 Quai du Commerce, 1080 Bruxelles” (1975) entstammen. Zusammen mit isolierten Filmszenen bilden diese die Vorlage zu Betrachtungen über Formen des Einübens, die auf der Tonebene durch Versatzstücke theatertheoretischer Texte erweitert werden.

Judith Hopf, Deborah Schamoni, Clemens Schönborn: Elevator Curator (2005), 22 min
Die ehemalige Kultusministerin Frankreichs kommt in ihrer neuen Profession als europäische Kuratorin für Gegenwartskunst nach Istanbul an, um die Ausstellung von drei Stipendiaten zu begutachten. Während die drei Künstler, überrascht von der Ankunft der Kuratorin, versuchen, eine Ausstellung zu improvisieren, erlebt Elodie Schneider eine Persönlichkeitsveränderung. Elevator Curator wurde als Teil der kollektiven Soap Opera “Ping Pong D´Amour: Der Aufbruch” konzipiert und realisiert.

Stefan Panhans: If a store clerk gave me too much change, 2009 (Videostill)

Stefan Panhans: If a store clerk gave me too much change, 2009 (Videostill)

Keren Cytter: Der Spiegel, 2007 (Videostill)

Keren Cytter: Der Spiegel, 2007 (Videostill)

Ho Tzu-Nyen: The Bohemian Rhapsody Project, 2006 (Videostill)

Ho Tzu-Nyen: The Bohemian Rhapsody Project, 2006 (Videostill)