Selbstorganisation 1
Vortrag von Reinhard Knoedler und Otto Kränzler
10. Dezember 2003
Das Künstlerhaus war bei seiner Gründung 1978 ein Ort, der durch Selbstorganisation von Künstlern entstanden ist und erhielt die Funktion, eine Plattform und Schaltfläche für Projekte von Künstlern darzustellen.
Im ersten Teil der Reihe zur Selbstorganisation sind wir Aspekte der Selbstorganisation innerhalb einer Institution nachgegangen, im speziellen der Aspekte der Videowerkstatt und des Audiolabors.
Selbstorganistion bedeutete im Gegensatz zur Selbstpräsentation in Form einer Produzentengalerie etwa, sich selbst, unter Umgehung des Kunstmarktes, die Zusammenhänge zu schaffen, in denen die Arbeit erscheinen kann. Nicht bloß das Atelier verlassen und neue Räume suchen, sondern eine Produktion antreiben, die nur in diesen Räumen existieren kann und gleichzeitig auch die Kriterien entwickeln, anhand denen, die neue Form der Kunst wahrgenommen und bewertet werden kann.
Ausgehend von den 60er Jahren haben sich Kunstformen wie Performance, Video und Happening entwickelt, die zu dem Ausstellungsgehabe der herkömmlichen Galerien und Museen nicht kompatibel waren. Zudem wurde dem Schöpfungsmythos des Künstlers widersprochen – stattdessen sprach man von Handlungsräumen, die Kunst als Experimentier- und Forschungsfeld sahen. Das New Yorker Soho der frühen 70er Jahre war der Startschuss für eine selbst organisierte Kunst. Basierend auf diesen Erfahrungen wurde das Künstlerhaus 1978 gegründet mit dem Anspruch, ein Ort des Forschens und des Experimentierens zu sein.
Otto Kränzler und Evelyn & Reinhard Knoedler waren Künstler der ersten Generation im Künstlerhaus. Reinhard und Evelyn Knoedler bauten schon 1976, vor Gründung des Künstlerhauses, die Videowerkstatt gemeinsam mit anderen Künstlern auf, die dann 1978 ins Künstlerhaus integriert wurde und bis 1997 existierte. Anhand des Videoarchivs sprachen sie über ihre Erfahrungen und Diskussionen im Künstlerhaus im Hinblick auf die Entwicklung eines damals neuen Mediums.
Im Anschluss gab Otto Kränzler anhand von Beispielen einen Einblick in der fruchtbaren Zusammenarbeit mit anderen Künstlern. Klangcollagen für ein Kloster, komplexe Kompositionen für die Staatsoper oder die Aufschlüsslung einer Pflanze in musikalische Strukturen für litauische Künstler waren Beispiele, für ein selbst organisiertes Handeln, dessen gemeinsam war, dass weder der Weg noch das Ziel Vorgabe waren, sondern prozesshaft entwickelt wurden. Otto Kränzler ist seit 25 Jahren Werkstattleiter in der Audiowerkstatt.


