Process Wall, Teil 1
Ausstellung
26. März 2010 - 31. Dezember 2010
Eröffnung am Donnerstag, den 25. März 2010, 19 Uhr
“Process Wall” ist der Titel eines Programms für ephemere Formate, das über das gesamte Jahr 2010 im 2. Stock des Künstlerhauses stattfinden wird. Anstelle klar abgegrenzter einzelner Ausstellungen zeigt das Programm jeweils mehrere, zeitlich und räumlich überlagerte Präsentationen. Darunter werden Ausstellungen, Zeitschriftenpräsentationen und Interventionen ebenso zu finden sein wie Vorträge, Notizen, Ankündigungen oder einzelne historische Referenzen. Die “Process Wall” zielt auf eine kollektive Autorschaft, die sich über einen längeren Zeitraum aus den Aktivitäten im 2. Stock entwickelt. Als erste Beiträge werden ab März 2010 eine Ausgabe der Zeitschrift Facehug von Takuji Kogo (*CANDY FACTORY PROJECTS) sowie das Projekt “Autogestion, or Henri Lefebvre in New Belgrade” von Sabine Bitter und Helmut Weber zu sehen sein.
Facehug #3: Takuji Kogo/*CANDY FACTORY PROJECTS
Facehug #3 präsentiert Takuji Kogo, Künstler und Gründer von *CANDY FACTORY PROJECTS, einem internationalen und auf Zusammenarbeit basierenden Multimediaprojekt. *CANDY FACTORY PROJECTS entstehen in unterschiedlichen Formaten wie Ausstellungen, Webseiten, Publikationen und Veranstaltungen. Die Projekte untersuchen das Hinterland der globalen Ökonomie anhand so unterschiedlicher Beispiele wie dem Veränderungs- und Verwahrlosungsprozess postmoderner Architektur in Tokyo, Tourismus an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea oder den großen Tomatenanlagen in Sizilien, die von rumänischen und tunesischen MigrantInnen bewirtschaftet werden.
Für die dritte Ausgabe von Facehug stellt Takuji Kogo die Audioarbeit “Music from *CANDY FACTORY” mit dazugehörigen Lyrics vor, die aus gefundenen Textstellen von Werbepostern, aus Junk mail, Onlineforen, Kleinanzeigen und Horoskopen bestehen und von synthetischen Stimmen vorgetragen werden. Die Installation im Künstlerhaus Stuttgart wird durch Takuji Kogos fortlaufend weiterentwickelte Fotoskulptur “Non_sites” ergänzt.
Facehug ist ein Zeitschriftenprojekt von Ana-Maria Hadji-Culea, das sich der künstlerischen Auseinandersetzung mit Text widmet. Facehug erscheint jährlich und nimmt mit jeder Ausgabe andere Formen an, um neue Möglichkeiten des Publizierens zu erproben.
Facehug #3 kann auf iTunes heruntergeladen werden. Die Lyrics stehen auf der Seite von Facehug zur Verfügung.
Sabine Bitter/Helmut Weber: Autogestion, or Henri Lefebvre in New Belgrade
1986 nahm der französiche Stadttheoretiker Henri Lefebvre gemeinsam mit den Architekten Serge Renaudie und Pierre Guilbaud an einem internationalen Wettbewerb zur Neudefinition urbaner Strukturen in Neu-Belgrad teil. Ihre städtebaulichen Vision für die 1948 gegründete Hauptstadt der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien betont die Prozesse und Potentiale der Selbstorganisation, um gescheiterten Konzepten der von oben verordneten Stadtplanung entgegen zu wirken. Für Lefebvre hatten zu diesem Zeitpunkt sowohl die Versprechen der kapitalistischen wie auch der staatssozialistische Moderne versagt.
Sabine Bitter und Helmut Weber nahmen den bislang unveröffentlichten Text Lefebvres zum Ausgangspunkt für eine Reihe von künstlerischen Arbeiten sowie einer umfangreichen Publikation, die sich mit den sozialen und politischen Widersprüche zwischen zeitgenössischen Konzepten des Selbstmanagements und der Selbstorganisation sowie Lefebvres Idee der “autogestion”, der aus dem Aufbruch der 1960er Jahre geborenenen Konzept der Selbstverwaltung, beschäftigen. Im Künstlerhaus zeigen Bitter und Weber dazu eine Reihe von Drucken, die als alternative Cover des Künstlerbuches dienen.
Am Donnerstag, den 8. April, 19 Uhr diskutiert Helmut Weber mit dem Frankfurter Stadtsoziologen Klaus Ronneberger über Lefebvres Theorie, einerseits in historischer Hinsicht, andererseits in Bezug zu aktuellen Debatten und dem prekären Zusammenhang zwischen Selbstverwaltung und neoliberalem Selbst-Management. Im Anschluss ist der Film von Bitter/Weber, “NEW, Novi Beograd 1948 – 1986 – 2006″ zu sehen.





