Honey-Suckle Company (HSC), Berlin
Reigen – Eswerde
5. September 2003 - 25. Oktober 2003
Das Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekt “Reigen”, das vom 5. September bis 12. Oktober 2003 im Künstlerhaus Stuttgart stattfand, stellte neue Arbeiten verschiedener Gruppen von KünstlerInnen vor. Der “Reigen” wurde eröffnet mit der Berliner Künstlergruppe Honey-Suckle Company, deren Rauminstallation “Eswerde” über die Dauer des Projektes zu sehen war. Bekleidung und Kunst, Objekt und Musik, Fotografie und Tanz sind Bereiche, die in der Installation “Eswerde” zusammengeführt wurden.
Honey-Suckle ist eine von 38 Blütenessenzen, die in der Bachblütentherapie ihre Anwendung findet. Sie hilft aus der Vergangenheit zu lernen und sich mit Blick in die Zukunft in der Gegenwart einzusetzen.
Die Honey-Suckle Company ist eine Gemeinschaft, die sich 1995 in Berlin begegnet ist und in den letzten Jahren mehrere Ausstellungen, national und international, präsentiert hat. Die Arbeit von HSC umfasst Entwurf, Konzeption und Realisation von Projekten in den Bereichen Installation, Bekleidung, Musik, Fotografie, Film/Video uns Aufführung/Tanz. Die Mitarbeitenden sind auf verschiedene Bereiche spezialisiert. HSC ist keine fremdbestimmte und zweckorientierte Organisationsform, sie beruht auf emotionaler und geistiger Übereinkunft der einzelnen Mitglieder. Sie versteht sich als autarke Gemeinschaft im Sinne einer aussterbenden Spezies, die an ihrer Utopie arbeitet. HSC ist eine Form der Aufgeschlossenheit, nicht aber des Wertens. Sie möchte nicht oben sein, da oben gleich unten ist. Ziel ist, eine ganzheitliche Lebensform zu finden.
Anlässlich der Einladung zur Ausstellung “Children of Berlin” im PS 1 Contemporary Art Center in New York begann für die HSC ein Langzeitprojekt, welches seitdem um- und weiterbearbeitet wird. Auf der Grundlage „Berlin als das Tor zum Osten“ wurde an einer Skizze zu einem Science -Fiction Film gearbeitet, die als Rauminstallation umgesetzt wurde. Es wurde von der Reflektion der Vergangenheit ausgegangen, was die Utopien und Gestaltungsphantasien der russischen Avantgarde betrifft und geht über in die Frage, was davon heute noch Gültigkeit hat, sowohl für die künstlerische Produktion in Form einer Künstlergruppe, so wie die Honey – Suckle Company, bis hin zu Inhalten der Kunst selbst. Es endet schließlich in der Visualisierung von Möglichkeiten, die, nicht ohne Selbstironie, für die Zukunft entworfen werden.
Die Ästhetik des Unfertigen ist Konzept. Sie stellt sich gegen den Fortschrittshype am Ende des 20. Jahrhunderts, der durch den Jahrhundertwechsel vor allem von den Medien hervorgebracht wird. Aus dieser Installation entwickelte sich in Zusammenarbeit mit dem Musiker Jörg Hiller Neuband, 2000, eine Kombination aus Objekten, Kleidungsstücken und Musikinstallation (selbstspielende Instrumente) in Form einer neuen Band, die sowohl als Ausstellung, Coutureshow und Konzert funktioniert. Angefangen im März 2001 arbeitete die HSC mit Jörg Hiller an dem Projekt “Odessau”, einer Art Rechercheprojekt und Weiterführung der Idee von Neuband. Leitmotiv dieser Arbeit war neben der russischen Avantgarde das Bauhaus, eine Um- und Aufarbeitung der damaligen Ideen und Motive. Zunächst wurde ein pavillionartiger Raum entwickelt, bestehend aus zwei ineinander verschiebbaren Kuben, in dem eine eigenentwickelte Kollektion mit selbstkonstruierten Instrumenten inszeniert und fotografiert bzw. filmisch umgesetzt wurde. Als Zusatz wurden Fotoproduktionen in Dessau und dem Bauhaus Gebäudekomplex realisiert. Entstanden ist unter anderem eine fotografische Sammlung, angesiedelt zwischen Dokumentation (Aufnahmen der Bauhausgebäude in Dessau in Form von historischen Reproduktionen und aktuellen Ansichten als Sanierungsgebäude, aber auch Dokumentation der Arbeit der Künstlergruppe) und Fiktion (Neuinszenierung von Situationen aus dem Ideenkreis und Neuerfindung von möglichen Aufführungen). Inzwischen wurde das Buch Odessau herausgegeben, ein Bildband der die Arbeit der letzten drei Jahren darstellt.
Ein neuer öffentlicher Arbeits- und Ausstellungsraum wurde Ende Mai in Berlin eröffnet. Dort ist ein erster Test für ein Instrument, das Raum-Hurdy-Gurdy entstanden, welches die Arbeit mit selbstgebauten Instrumenten wiederum fortsetzt und als bespielbare Installation funktioniert, die Grundlage für neue Film- und Fotoarbeiten ist.



