Vermitteln/Verhandeln. Von Publikum, AkteurInnen und Komplizenschaften
Workshops
Workshop 1
Nora Sternfeld: Handlungsräume der Kritik in Ausstellungen
Wer spricht normalerweise in Institutionen? Wie funktioniert Wissensvermittlung? Wer produziert Wissen? Und wer eignet es sich bloß an? Der Workshop beschäftigt sich mit Möglichkeiten, Ansätzen und Strategien der Kritik im Bereich der Kunst- und Kulturvermittlung. Der Begriff “Handlungsräume” meint dabei sowohl die Perspektiven, die das Feld der Kunst- und Kulturvermittlung eröffnet als auch seine kritischen Potentiale in institutionellen und gesellschaftlichen Zusammenhängen. Der Begriff der „Kritik” wird so verstanden, dass es einen Außenstandpunkt eben sowenig gibt, wie die Möglichkeit sich deshalb einer Position zu entziehen. In Hommage an die ProtagonistInnen der Institutional Critique widmet sich der Workshop einer Praxis des Gegen-lesens und Ver-lernens in Ausstellungen. Eine Auseinandersetzung mit zeitgenössischen künstlerischen Arbeiten und aktivistischen Strategien kann vielleicht einen Eindruck über die zahlreichen Schnittstellen zwischen Vermittlung, Kunst, Wissensproduktion und Aktivismus geben. Dabei können unterschiedliche Strategien wirksam werden: verhandeln, scheitern, reklamieren, insistieren, Bedingungen offen legen, Öffentlichkeiten herstellen…
Nora Sternfeld ist Kunstvermittlerin und Kuratorin, Büro trafo.K. Sie ist Lehrbeauftragte an der Akademie der bildenden Künste Wien und im Leitungsteam des Masterlehrgangs ecm (educating/curating/managing) an der Universität für angewandte Kunst, Wien.
Workshop 2
Annette Krauss: Hidden Curriculum. Über die Aktualisierung stummer Alltagspraktiken
Was lernen wir im Alltag? Welches Wissen wird im Alltag vermittelt? Und was wissen wir eigentlich nicht? Was wollen wir nicht wissen? Und warum? Und was dürfen wir nicht wissen? Im Workshop versuchen wir uns der Bedeutung eines stummen, „eingekörperten” Wissens für unser Handeln im Alltag zu näheren. Hierbei lässt sich das Soziale nicht nur über Strukturen, Rollen und Normen beschreiben, die dem Handeln vorausgehen, sondern muss notwendigerweise auch über ein öffentliches, beobachtbares und teilhabendes Geschehen materiell eingebundener, lokal situierter, miteinander verflochtener Körperpraktiken erschlossen werden. Die Funktion von Körperbewegungen besteht hier also auch in der Einübung und Darstellung des Sozialen.
Ziel des Workshops ist es, kleine köperbezogene Übungen und Empathiestudien zu entwickeln, die sich der stummen Kompetenz der praktischen Beherrschung des Alltags und seiner Koordinierungsprozesse nähern und die „toten Winkel” der Wahrnehmung thematisieren.
Annette Krauss ist Künstlerin und lebt in Utrecht.
Workshop 3
Markus Ambach: Public Garden – Public Generation: ein Projekt entwirft sich selbst. Über die Initialisierung autoproduktiver Prozesse im Stadtraum
Der Workshop versucht, den Kunstverein über den auf die Ausstellungspraxis gerichteten, introvertierten Blick hinaus als Ort im städtischen und gesellschaftlichen Kontext zu verstehen. Er beschäftigt sich mit Methoden, in seinem Umfeld autoproduktive Prozesse im öffentlichen Raum zu initiieren – Prozesse, in denen sich die Arbeit des Kunstvereins und die künstlerische Artikulation direkt mit den Handlungen der Stadtgesellschaft verknüpfen.
Dabei wird dem öffentlichen Raum weniger mit klaren Zielsetzungen begegnet, als vielmehr mit einem hohen Interesse für die bereits vorhandenen, auch alltagskulturellen Praktiken. Es werden Wege erarbeitet, durch die Herstellung spezifischer Klimata Handlungsräume sichtbar und zugänglich zu machen, in denen sich Projekte und Äußerungsformen durch seine jeweiligen Akteure selbst generieren. Ziel ist die Vermittlung solcher sich selbst autorisierender Praktiken sowohl an die Stadtgesellschaft wie auch an die Künstler.
Markus Ambach ist Künstler und lebt in Düsseldorf
