Polish School of Experimental Animation
Filmprogramm
18. September 2008
Das Filmprogramm stellt einige bedeutende Werke aus der Geschichte und Gegenwart des polnischen Animationsfilms vor und beleuchtet so den Kontext des filmischen Werkes von Julian Antonisz, das in der Ausstellung “Der Nutzen jedes Sonnenstrahls” im Künstlerhaus vorgestellt wird.
Der polnische Animationsfilm zählt – neben den Regisseuren Wajda und Kieślowski, dem polnischen Plakatdesign, dem Theater von Grotowski und Kantor sowie einigen mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Autoren – in den letzten drei Jahrzehnten zu den sichtbarsten Elementen der polnischen Kultur. Obwohl bereits lange vor dem zweiten Weltkrieg Animationen und Experimentalfilme in Polen hergestellt wurden, begann die Goldene Ära des polnischen Animationsfilms in den späten 1950er Jahren. Herausragend waren dabei die ersten Filme zweier Grafikdesigner, Jan Lenica und Walerian Borowczyk. Mit den Filmen von Kazimierz Urbański, Witold Giersz, Daniel Szczechura und Mirosław Kijowicz entwickelte sich eine eigenständige Polnische Schule des Animationsfilmes, die sich durch hochwertige grafische Gestaltung und politische Inhalte auszeichnete. Etwa ein Jahrzehnt später gründete Urbański und eine Gruppe seiner Studierenden von der Kunstakademie ein revolutionäres Studio für Animationsfilm in Krakau, aus dem eine Vielzahl formal höchst innovativer Filme hervorging, etwa von Ryszard Czekała, Julian Antonisz und Jerzy Kucia. 1983 gewann Zbigniew “Zbig” Rybczyński den ersten Oscar für Polen mit seinem animierten Kurzfilm “Tango”.
Heutzutage ist der polnische Animationsfilm von einer Vielzahl individueller Herangehensweisen gekennzeichnet. Einige jüngere Filmemacher scheinen jedoch die absurde Stimmung der Filme von Julian Antonisz und seine freie Handschrift fortzusetzen, darunter Mariusz Wiczyński, Janek Koza, und Wojtek Bąkowski.
Das Filmprogramm wurde von Marcin Giżycki (Rhode Island School of Design, Providence, USA) zusammengestellt. Er wird eine Einführung in das Filmprogramm geben (in englischer Sprache).
Programm:
Oko i ucho (Das Auge und das Ohr, R: Themersonowie, 1944/45, 11′)
Dom, 1958 (Haus, R: Lenica/Borowczyk, 1958, 11′)
Sztandar Młodych (Das Banner der Jugend, R: Lenica & Borowczyk, 1957, 2′)
Labirynt (Labyrinth, R: Lenica, 1961, 14′)
Czerwone i Czarne (Rot und schwarz, R: Giersz, 6’24″)
Fotel (Der Stuhl, R: Szczechura, 1963, 5’30″)
Słodkie Rytmy (Süsse Rythmen, R: Urbański, 1965, 6’30″)
Wszystko Jest Liczbą (Alles ist eine Nummer, R: Schabenbeck, 1966, 8′)
Apel (Der Appell, R: Czekała, 1970, 7′)
Refleksy (Reflektionen, R: Kucia, 1979, 6’30″)
Tango (Tango, R: Rybczyński, 1980, 8′)
Śmierć Na 5 (Tod erster Klasse, R: Wilczyński, 2002, 3’40″)
Kundelku Ujadaj, Perełko Rob Piekło (Belle, du Bastard, schlag Höllenlärm, meine Perle, R: Bąkowski 3’53″)
Marcin Giżycki ist Kunsthistoriker und Filmhistoriker. Er lehrt an der Rhode Island School of Design in Providence, USA und ist künstlerischer Leiter des Internationalen Festivals für Animationsfilm in Poznan.
