Ludlow 38 – Natascha Sadr Haghighian: Fruits of One’s Labor
Ausstellung

7. Juli 2010 - 15. August 2010

Ausstellungseröffnung am Mittwoch, 7. Juli, 18-20 Uhr

Ludlow 38 präsentiert Früchte der Arbeit, eine Ausstellung der in Berlin lebenden Künstlerin Natascha Sadr Haghighian. Die Installation beschäftigt sich in mehrdeutiger Weise mit dem Finanzsystem und den Bezügen zwischen Geld, Wert sowie den subjektiv daran geknüpften Vorstellungen. Ursprünglich 2008 für den Frankfurter Kunstverein entstanden, unterstreicht die neue Präsentation bei Ludlow 38 die diagrammähnlichen Qualitäten der Arbeit.

Im vorderen Raum von Ludlow 38 steht ein Kohleofen neben einer Palette Briketts aus eingestampften Eurobanknoten mit einem Nennwert von ca. 90 Millionen Euro. Die verschlungenen Ofenrohre führen durch eine Glaswand in den hinteren Ausstellungsraum. Durch das Fenster ist eine Wolke aus Plastikäpfeln zu sehen, die von buntem Discolicht angestrahlt werden und sich auf diese Weise vielfach als Schatten auf den leeren Wänden abzeichnen. Durch die Glasscheibe dringt gedämpfter Klang von Technomusik.

Im lokalen Kontext von Frankfurt/Main beschäftigte sich die Arbeit Sadr Haghighians vor allem mit der Einführung des Euro in der Europäischen Währungsunion 2002. Frankfurt/Main ist die Heimat der Europäischen Zentralbank und ein Zentrum des europäischen Finanzhandels. Das Rohr, welches wie eine Diagrammlinie durch die Installation führt, suggeriert eine Reihe von Beziehungen, die gleichzeitig eindeutig und rätselhaft sind. Während der Euro als stabilisierte Währung einerseits den europäischen Handel unterstützen sollte, fiel der Wert des Geld in den Händen der Bevölkerung andererseits nahezu über Nacht um 50 Prozent, da die Umtauschrate zur früheren Währung, der D-Mark, ungefähr 1:2 betrug. Wert wurde gleichzeitig geschaffen und ausgelöscht. Harte Währung und Marktexpansion gehen Hand in Hand mit dem Verlust von Arbeitsplätzen und dem Umzug von Produktionsstätten.

In New York, einem Weltfinanzzentrum, entfaltet die Arbeit weitere Bedeutungsebenen. In der Finanzkrise gerieten Währungen weltweit unter Druck und verloren an Wert. Mit den von verschiedenen Regierungen durchgeführten Rettungsaktionen, und trotz der wiederholten Forderung nach stärkerer Finanzmarktregulation, gingen damit Kürzungen von Sozialleistungen einher. Kurioserweise hat die Finanzmarktkrise populistische Stimmen gestärkt, die eine Wiedereinführung von Landeswährungen fordern.

Zudem stellt der “Eventcharakter”, der durch die Musik und das Licht im Raum erzeugt wird, eine Verbindung zu alternativen Ökonomien her, die im postfordistischen Wirtschaftssystem an Einfluss gewonnen haben. Wert ist also eine Frage der Interpretation, obgleich er auf gemeinsam geteilten Annahmen basiert und unser aller Leben beeinträchtigt.

Veranstaltungsprogramm

Donnerstag, 8. July 2010, 19 Uhr
Goethe-Institut Wyoming Building, 5 East 3rd St. (between Bowery and 2nd Ave), New York

I Know it When I See It: Financial Reform and Proprietary Trading, Vortrag von Robert Wosnitzer

This talk will address the question of how is the financial reform legislation framed, and how might that frame be imagined to perform the market. Robert Wosnitzer is a PhD candidate in media culture and communication, New York University, and a rResearch fellow in the program ”Cultures of finance,” Institute for Public Knowledge.

Cultural economies, Diskussion mit Jackie McAllister und Axel John Wieder

This part of the evening will discuss the work of the New York-based collective Art Club 2000 and Berlin-based initiatives from the early 1990s that investigated the changing relationship between art and economy. The two cities Berlin and New York will be used to discuss cultural economies within the changing urban landscape and the post-fordist condition.

Jackie McAllister is an artist and writer, living and working in New York. Axel John Wieder is artistic director of Künstlerhaus Stuttgart

Donnerstag, 15. Juli 2010, 15 Uhr
Museum of American Finance
48 Wall St., New York

This accompanying event at the Museum of American Finance examines the culture and various symbolism’s of the financial system and gives participants the chance to discuss ideas of currency value, money circulation, share trading and the credit crisis within a former market place. Founded in 1988 and housed in the former Bank of New York headquarters, the museum is an affiliate of the Smithsonian Institution.

A tour of highlights in the permanent exhibition of the museum will be led by Leena Akhtar, the curator of the museum.

Ludlow 38 wird unterstützt von MINI und Friends of Goethe. Die Ausstellung von Natascha Sadr Haghighian wurde zusätzlich unterstützt von tesa.

Ludlow 38 Künstlerhaus Stuttgart Goethe-Institut New York
38 Ludlow Street
New York 10002, USA
Tel. +1 212 228 6848
www.ludlow38.org
info@ludlow38.org

Öffnungszeiten: Donnerstag – Sonntag (Juli), Donnerstag – Samstag (August), 13-18 Uhr